Die neuen Regionalklassen für 2027 sind veröffentlicht, und auch die ersten Preisdaten zur kommenden Wechselsaison liegen vor. Das Ergebnis ist weniger eindeutig, als manche Schlagzeile vermuten lässt: In mehr Regionen verbessert sich die Haftpflicht-Einstufung, doch die Beiträge für Neuverträge steigen im Durchschnitt noch leicht. Eine Auswertung von evb.online zeigt, worauf es ankommt.
Mehr Bezirke werden niedriger als höher eingestuft
Am 9. September hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die neuen Regionalklassen für 2027 bekannt gegeben. Grundlage sind die Schadenbilanzen der 413 deutschen Zulassungsbezirke. In der Kfz-Haftpflicht sinkt die Regionalklasse in 63 Bezirken; 46 werden höher eingestuft. Die übrigen 304 bleiben unverändert. Die vollständige Meldung des GDV ist hier abrufbar.
Umgerechnet bedeutet das: In 73,6 Prozent der Bezirke ändert sich nichts. 15,3 Prozent erhalten eine niedrigere und 11,1 Prozent eine höhere Haftpflicht-Regionalklasse. Diese Prozentanteile hat evb.online aus den veröffentlichten Bezirkszahlen selbst berechnet.
Anzahl der Zulassungsbezirke mit veränderter oder unveränderter Einstufung
Bei den betroffenen Autofahrern ist der Unterschied deutlich kleiner
Die bloße Zahl der Bezirke kann einen falschen Eindruck vermitteln. Hinter den 63 niedriger eingestuften Regionen stehen nach Angaben des GDV rund 5,2 Millionen Autofahrer. Von den 46 Höherstufungen sind rund 4,8 Millionen betroffen.
Teilt man die vom Verband gerundet angegebenen Personenzahlen durch die jeweilige Bezirkszahl, ergeben sich rechnerisch etwa 83.000 betroffene Autofahrer pro niedriger eingestuftem Bezirk und 104.000 pro höher eingestuftem Bezirk. Das ist keine Aussage über die tatsächliche Höhe einzelner Beiträge. Es macht aber deutlich, dass die Zahl der Regionen allein wenig darüber verrät, wie viele Menschen die Änderungen erreichen.
| Einstufung | Bezirke | Betroffene Autofahrer | Rechnerischer Mittelwert je Bezirk |
|---|---|---|---|
| Höhere Klasse | 46 | rund 4,8 Mio. | rund 104.000 |
| Niedrigere Klasse | 63 | rund 5,2 Mio. | rund 83.000 |
| Unverändert | 304 | mehr als 32 Mio. | nicht ausgewertet |
Ein Blick nach Hessen zeigt die Unterschiede zwischen Haftpflicht und Kasko
Für Hessen haben wir die 28 Zulassungsbezirke einzeln verglichen. Das Ergebnis: Bei der Haftpflicht steigen fünf Bezirke um eine Klasse, drei sinken und 20 bleiben gleich. In der Teilkasko gibt es nur eine Höherstufung, aber fünf Herabstufungen. Bei der Vollkasko erhöht sich die Klasse in einem einzigen Bezirk, in allen anderen bleibt sie unverändert. Basis ist die ADAC-Tabelle mit den GDV-Regionalklassen für sämtliche Zulassungsbezirke.
Jeweils 28 Zulassungsbezirke; die Balken zeigen die Verteilung.
Orange: höhere Klasse. Blau: unverändert. Grün: niedrigere Klasse.
Besonders anschaulich ist der Landkreis Kassel: Bei der Haftpflicht steigt die Einstufung von 5 auf 6, während sie in der Teilkasko von 7 auf 6 fällt. Im Landkreis Limburg-Weilburg bleibt die Haftpflicht bei Klasse 8 und die Vollkasko bei Klasse 5; nur die Teilkasko steigt von 8 auf 9. Frankfurt am Main wird in der Teilkasko dagegen von Klasse 4 auf 3 herabgestuft.
| Zulassungsbezirk | Sparte | 2026 | 2027 |
|---|---|---|---|
| Kassel (Land) | Haftpflicht | 5 | 6 |
| Kassel (Land) | Teilkasko | 7 | 6 |
| Limburg-Weilburg | Teilkasko | 8 | 9 |
| Frankfurt am Main | Teilkasko | 4 | 3 |
| Wetzlar | Vollkasko | 5 | 6 |
Das ist durchaus nachvollziehbar: Die Haftpflicht berücksichtigt Schäden, die mit dem versicherten Fahrzeug bei anderen verursacht werden. Bei Teil- und Vollkasko geht es um unterschiedliche Schäden am eigenen Auto. Eine konkrete Ursache für die Veränderung in einem einzelnen Bezirk lässt sich aus den Klassenzahlen allein aber nicht ablesen.
Was bedeutet das für die Versicherungsbeiträge 2027?
Bei den Tarifen zeichnet sich eine andere Entwicklung ab als bei den Regionalklassen. Der Verivox-Kfz-Versicherungsindex vom 27. Oktober 2026 weist für neue Verträge ab Januar 2027 im Durchschnitt um zwei Prozent höhere Preise aus als ein Jahr zuvor. Die Kfz-Haftpflicht liegt im Mittel drei Prozent höher, die Vollkasko zwei Prozent; bei der Teilkasko zeigt der Index keine Veränderung. Im günstigeren Preissegment sind die angebotenen Tarife dagegen über alle Versicherungsarten hinweg um durchschnittlich zwei Prozent gesunken.
| Versicherungsart | Neue Tarife im Mittel | Günstiges Preissegment |
|---|---|---|
| Kfz-Haftpflicht | +3 % | −1 % |
| Teilkasko | 0 % | −1 % |
| Vollkasko | +2 % | −2 % |
| Über alle Sparten | +2 % | −2 % |
Der Index berücksichtigt anonymisierte Berechnungen von Versicherungswechslern bei Verivox. Er zeigt nicht, wie sich sämtliche bestehenden Versicherungsverträge verteuern oder verbilligen. Auch die Regionalklassen sind für die Versicherer unverbindlich. Wer seinen Beitrag für 2027 einschätzen möchte, muss daher konkrete Angebote mit vergleichbaren Leistungen gegenüberstellen.
Die Reparaturkosten bleiben hoch
Der Preisdruck auf die Versicherer ist damit nicht verschwunden. Nach GDV-Angaben vom 29. Oktober 2026 stiegen die Werkstattstundensätze im Jahr 2025 um 7,5 Prozent und die Preise für Ersatzteile um 5,6 Prozent. Ein durchschnittlicher Pkw-Sachschaden kostet die Versicherer inzwischen etwa 4.600 Euro. Für 2026 erwartet der Verband eine Schaden-Kosten-Quote von 99 Prozent. Das erklärt, warum sich aus günstigeren Neukundenangeboten keine dauerhafte Entspannung für alle Versicherten ableiten lässt.
Jetzt wechseln? Vertragsfrist und eVB richtig einordnen
Bei vielen Kfz-Verträgen, die zum 31. Dezember enden, muss die ordentliche Kündigung spätestens am 30. November beim bisherigen Versicherer eingehen. Das gilt nicht pauschal für jeden Vertrag; maßgeblich sind dessen Laufzeit und die vereinbarten Fristen. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass auch Sonderkündigungsrechte in Betracht kommen können.
Wichtig bei der eVB: Wer nur den Versicherer wechselt und sein bereits zugelassenes Auto behält, muss üblicherweise keine neue siebenstellige eVB-Nummer bei der Zulassungsstelle vorlegen. Der neue Versicherer übermittelt die Versicherungsbestätigung elektronisch. Das erläutert beispielsweise der Landkreis München. Bei einer Neu- oder Wiederzulassung wird hingegen regelmäßig eine eVB zum Abruf benötigt; die Rechtsgrundlage für den Versicherungsnachweis findet sich in § 49 der Fahrzeug-Zulassungsverordnung.
Auf evb.online finden sich dazu ausführlichere Informationen zum Versicherungswechsel und zur eVB-Nummer.
Fazit: Keine pauschale Aussage über den Beitrag möglich
Die Zahlen für 2027 zeigen vor allem eines: Die Beitragshöhe hängt nicht allein davon ab, ob ein Zulassungsbezirk eine andere Regionalklasse bekommt. Auch Fahrzeugmodell, Schadenfreiheitsklasse, jährliche Fahrleistung, Fahrer und Leistungsumfang spielen eine Rolle. Wer für das kommende Jahr sparen möchte, sollte die neue Beitragsrechnung mit aktuellen Angeboten vergleichen – und dabei nicht nur auf den Endpreis schauen.
Quellen und Methodik
Für die bundesweite Auswertung wurden die GDV-Regionalklassen 2027 verwendet. Die Prozentanteile der Bezirke und die rechnerischen Mittelwerte je Bezirk wurden selbst ermittelt. Wegen der gerundeten GDV-Angaben zu den betroffenen Autofahrern sind auch diese Mittelwerte gerundet.
Für die Hessen-Auswertung wurden die Angaben der ADAC-Regionalklassentabelle für 2027 in allen 28 Bezirken nach Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko ausgezählt. Die Vergleiche beziehen sich jeweils auf die Änderungen gegenüber 2026.
Die dargestellte Preisentwicklung entstammt dem Verivox-Kfz-Versicherungsindex vom 27. Oktober 2026. Die Daten zu Reparaturkosten und Schaden-Kosten-Quote stammen aus der GDV-Mitteilung vom 29. Oktober 2026. Eine eigene Erhebung individueller Versicherungsprämien wurde nicht durchgeführt.
Transparenz: evb.online kann für einen über den verlinkten Versicherungsvergleich vermittelten Vertragsabschluss eine Provision erhalten. Die redaktionellen Berechnungen beruhen auf den oben genannten veröffentlichten Daten.
Bernhard Schulz
Gründer & Redaktion · evb.online
Mehr als 20 Jahre Erfahrung im Bereich Versicherungen und Finanzen, kaufmännische Ausbildung und enger fachlicher Austausch mit einem zugelassenen Versicherungsmakler – das ist die Grundlage der Inhalte auf evb.online. Unabhängig, ohne Produktverkauf, nah an der Praxis.
→ Mehr über den Autor